Sonntag, 24. August 2008

Erleichterung

Große Erleichterung macht sich breit. Obwohl der Wettbewerbsdirektor einen Einspruch der Ungarn zurückgewiesen hat, werden sie keinen Protest einlegen. Anderenfalls wären wir ganz schön in Zeitdruck geraten. Denn erst wenn alle Ergebnisse amtlich sind, können die Listen gedruckt und die Urkunden ausgestellt werden. Das nimmt schließlich auch einige Zeit in Anspruch. Weil jetzt erst die Gesmatergebnisse zusammengestellt werden, kann ich im Moment nicht sagen, wer die Goldmedaillengewinner sind und welche Mannschaft den Gesampreis gewonnen hat. So wie es aussieht, sind auf jeden Fall in den drei gültigen Klassen die Engländer jeweils auf dem ersten Platz.
Mehr also morgen, denn nach der Preisverleihung müssen wir uns schnellstens auf den Weg nach Hause machen.

Sonntag, 24. August

Meisterschaften sind bis zur letzten Minute spannend, auch wenn nicht mehr geflogen wird.
Das Taskboard ist immer wieder umlagert (Hier vom englischen Teamchef Keith Negal und seinem Spitzenpiloten Rob Grimwood. Mit dabei Jury-Mitglied Carlos Trigo(rechts).
Gestern abend hatte der Wettbewerbsdirektor mit jeder Menge Einsprüche zu kämpfen. Manche davon wurden in unfairer Weise in den allerletzten Minuten eingelegt, obwohl dazu schon mehrfach vorher Gelegenheit war. Bis gegen 23 Uhr wogte es hin und her, bevor schließlich die Auswertungs-Mädels und Gisela den Laptop zuklappten und die letzten Ergebnisversionen der Aufgabe 8 ausgehängt wurden. Einspruchsfrist bis heute morgen 7 Uhr. Und richtig, auch dazu wieder ein Einspruch bei einer Klasse, der in seiner Konsequenz Auswirkungen auf die anderen Klassen haben wird. Da es sich um einen sogenannten'technischen' Fehler handelt, bleiben drei Klassen 'offiziell' und nur in einer Klasse läuft erneut die Einspruchsfrist von einer Stunde und danach noch mal die Zeit für Proteste von einer Stunde.
Trotzdem ist es ein gutes Zeichen, dass wir bis jetzt noch keinen Protest vorgelegt bekommen haben. Aber noch sind nicht alle Fristen verstrichen. Und weil einige Entscheidungen immer wieder umgeworfen werden, ist die Stimmung bei manchen 'Mitarbeitern' entsprechend schlecht (siehe Foto).
Viktor Wyklicky, unser Deutscher Teilnehmer, scheint es nach dem vorläufigen Stand auf den zehnten Platz (von 22) geschafft zu haben. Er ist bereits gestern morgen bei starkem Wind und schönstem Wetter über Eisenhüttenstadt nach Saarmund bei Berlin geflogen, um dort seinen Motor gründlich checken zu lassen. Er wird heute - rechtzeitig zur Abschlussveranstaltung wieder hier in Leszno sein.

Samstag, 23. August 2008

Sonnabend, 23. August

Es gibt noch Wunder. Seit gestern Abend gibt es mehr offizielle Ergebnisse. Dagegen kann jetzt nur noch ein (kostenpflichtiger) Protest eingelegt werden. Außerdem liegen die Ergebnisse der letzten Aufgabe vor, allerdings mit einigen offenkundigen Fehlern. Durch meine 'Informantin' im Auswertungsprozess weiß ich nun, woran die ganzen Probleme gelegen haben. Bei den eigentlichen Auswertern wurden oftmals die Formeln in den Berechnungs-Tabellen entfernt, wenn eine Korrektur vorgenommen wurde. Das aber hatte fatale Auswirkungen auf die Berechnungen. Zitat Gisela:"Das geht doch garnicht!!"
Am späten Nachmittag ist Richard Meridith-Hardy mit seiner Frau Nicky eingetroffen. Richard ist Vizepräsident der CIMA (das ist die UL-Kommission des Weltluftsportverbandes FAI in Lausanne). Richard würde gerne eine Qualifikationsaufgabe für die World Air Games 2009 in Turin fligen lassen, doch Rychard, der oberste Chef hier am Platz, hat erst mal 'Nein' gesagt. Nun werden die Teams versuchen, ihn umzustimmen. Richard hat gestern Abend auch den versammelten Teams erläutert, was hinter dem Konzept der World Air Games steckt und wie die Qualifikation zur Teilnahme erreicht werden kann. Aus Deutschland ist Viktor Wyklicky interessiert. Da an der Veranstaltung nur doppelsitzige Trikes mit zwei Piloten teilnehmen dürfen, hat Klaus Wehrmann, ein erfahrener Wettbewerbsflieger und mit seiner Frau in Leszno zu Besuch, sein Interesse bekundet.
Gestern Abend hatte bereits der Regen eingesetzt und zwischendurch gab es sogar Blitz und Donner. Aber heute Morgen klart es langsam auf. Da wird es einigen Piloten ganz anders gehen, denn bis weit nach Mitternacht wurde im Mannschaftszelt der Tschechen gefeiert - mit viel Bier und Disko-Musik.

Freitag, 22. August 2008

Freitag, 22. August, 2. Lieferung


Das war sie, die Letzte Landung bei den Europameisterschaften der Ultraleichtflieger in Leszno/Polen. Mit der heutigen Aufgabe sind alle Flüge erledigt. Und tatsächlich, es gibt auch schon ein paar 'offizielle' Ergebnisse. Nun kommt es darauf an, was mit den letzten Ergbnislisten ist und wieviele Einsprüche abgearbeitet wewrden müssen. Und es steht natürlich noch aus, ob und wieviele Proteste die Jury zu bearbeiten hat. Im Moment liegt noch nichts vor.
Die Stimmung ist also relativ entspannt. Dabei entpuppte sich vor allem die touch-and-go-Landung in der 6-Meter-Box als Hindernis für manchen Piloten. Hier gab es viele Null-Wertungen.
Leider auch ein kaputtes Trike. Der Pilot war über das 6-Meter-Feld geflogen und dann im 'richtigen' Landefeld erst mit allen drei Rädern gleichzeitig aufgebumst, hochgesprungen und dann mit dem Vorderrad erneut auf den Boden gekommen. Das ging nicht gut aus und das Trike hat sich überschlagen. Zum Glück hat der Pilot nur ein paar Prellungen abbekommen.

Freitag, 22. August

Natürlich gibt es auch eine Schönheitskönigin unter den Teamleadern. Domnika Jurkiewicz (Polen) ist unbestritten die hübscheste unter allen aktiven und mit geschätzten 1,85 m fällt sie natürlich auch auf zwischen den vielen Piloten.
Heute scheint noch mal die Sonne, aber morgen liegt die Regenwahrscheinlichkeit schon wieder über 60 Prozent. Vorläufig ist aber noch kein Stress auf dem Flugplatz zu beobachten. Bis 11 Uhr ist freies Fliegen erlaubt und manche Crew übt noch mal für die verlangte Box-touch-and-go mit anschließender Abschlusslandung.

Heute ist der sechste Wettgbewerbstag, ohne dass es bislang endgültige Ergebnisse in einer Aufgabe für irgendeine Klasse gibt. Das ist gefährlich und die Jury hat sich entschlossen, erneut einzugreifen.
Wir haben versucht herauszufinden, wo - außer beim Wettbewerbsdirektor - vielleicht noch eine Ursache für die Verzögerungen liegt. Möglicherweise im Büro, wo die Ergebnisse der Auswerter noch mal in Excel - Tabellen übertragen werden. Meine Frau Gisela, die vor zwei Jahren in Nördlingen die ganze Excel-Arbeit übernommen hatte, hat sich bereit erklärt, ein wenig auszuhelfen. Mal sehen, ob es nun besser funktioniert.
Beim Briefing um 11 Uhr gab es noch mal ein paar kleine Änderungen an der Aufgabe. Jetzt müssen nicht nur Fotos, sondern auch Marker gesucht werden. Mal sehen, ob diese Änderung auch die Auswerter erreicht. Außerdem wurde die Zeitspanne für Widersprüche verkürzt, so dass wir heute vermutlich mehrere Aufgaben für alle Klassen in den Gültigkeitszustand bringen können.

Donnerstag, 21. August, 2. Lieferung

Es ist unglaublich, wie lange ein Ultraleichtflugzeug bei mäßigen thermischen Bedingungen in der Luft bleiben kann. Zur Erinnerung: die Einsitzer bekamen 10 kg Benzin (rund 13,3 Liter), die Doppelsitzer 14 kg (also etwa 8,6Liter). Hier die herausragenden Ergebnisse:
Einsitzer-Trikes, Alojzy Dernbach (Polen), 5,9 Stunden
Einsitzer-Dreiachser, Dariusz Kedzierski (Polen), 3,3 Stunden
Doppelsitzer-Trikes, Thuroczy/Hojek (Ungarn), 5,6 Stunden
Doppelsitzer-Dreiachser, Dewhearst/Haddley (Großbritannien), 6,7 Stunden !!!!!!!

Für die Experten: bei dem Siegerflugzeug handelt es sich um einen Skyranger mit einem Rotax 912 S-Motor. Die Crew la ndete wirklich ganz knapp for dem letztmöglichen Termin um 20 Uhr.
Am Abend schließlich das Briefing für die letzten beiden Aufgaben am Freitag. Es handelt sich um einen Navigationsflug, bei dem es darauf ankommt, einen Kurs so schnell wie möglich zu fliegen, dabei Bilder zu identifizieren und so genau wie möglich den Kurs einzuhalten. Zum Abschluss muss man in einem kleinen Landefeld den Boden kurz berühren und ca. 150 Meter weiter im normalen Landedeck aufsetzen und zum Stehen kommen.

Donnerstag, 21. August 2008

Donnerstag, 21. August

Bis heute gibt es immer noch keine verlässllichen Ergebnisse der vorangegangenen Aufgaben. Die Ergebnisblätter der Aufgabe 2 hängen zwar, enthalten aber immer noch Fehler und sind somit noch nicht 'offiziell'. Erst dann ist es möglich, einen Protest einzulegen. Da aber nach jeder Korrektur eines Ergebnisblattes die Widerspruchsfrist erneut läuft, kann sich die Angelegenheit noch eine Weile hinziehen. Die Jury hat deshalb einen Brief an den Wettbewerbsdirektor geschrieben und ihn sehr unmissverständlich aufgefordert, mehr Augenmerk auf diesen Punkt zu richten, weil sonst der Ablauf der Meisterschaft gefährdet ist.
Unterdessen haben die Teams begonnen, ihre Tanks zu leeren, die Motoren so lange laufen zu lassen, bis kein Tropfen Sprit mehr in den Leitungen ist und dann die vorher abgemessene Menge neu zu betanken. Alle hoffen, dass diese Prozedur, bei der sich die Teams gegenseitig kontrollieren müssen, schnell zu Ende geht, damit um 12 Uhr wie vorgesehen das Startfenster geöffnet werden kann.
Viele Teams klagen über die große Menge Benzin, die zu verfliegen ist. Normalerweise werden solche Aufgaben mit 9 bzw. 5 kg geflogen und es wird - beispielsweise wie vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft in Nördlingen - noch der Flug über ein kleines Dreieck eingebaut, dass so schnell wie möglich durchflogen werden muss. Solche Aufgabenkombinationen fordern natürlich mehr, als reine Thermik-Fliegerei. Damit vor dem Start nicht zuviel Benzin verbraucht wird, halten manche Piloten ihren Motor auf ganz unkonventionelle Weise auf Temperatur. (siehe Foto)
Gegen Mittag war der Tankprozess noch immer nicht abgeschlossen. Und damit die Bewegung nicht zu kurz komme, bin ich mit Roland Schneider und meiner Gisela ein wenig in die Umgebung des Platzes geradelt. Die Karte vermerkte ein Baudenkmal. Es stelle sich als kleiner Herrensitz dar, der jetzt eine Art Forschungsstelle für Archeologie enthält.

Mittwoch, 20. August, 3. Lieferung



Schönste Wolken, fast ein gleichmäßiger Wind direkt in Landerichtung - beste Voraussetzungen für die Ziellandung. Insgesamt drei Durchgänge konnten bis zum Abend abgeschlossen werden.
Es ist schon verblüffen, dass man ein UL auf einer Strecke von 25 - 30 Metern landen und zum Stehen bringen kann - ohne dass dabei Achsen wegfliegen oder der Flieger die Nase in den Dreck steckt. Selbst als zum Schluss mit Mtorkraft und bei weniger Wind gelandet wurde, gab es bei einigen Könnern ähnlich gute Ergebnisse: Aufsetzen im ersten, 5 mMeter langen Feld und nach weiteren 25 Metern stand der Flieger. Schade, dass nicht mehr Zuschaer diese Aufgabe verfolgen konnten. Auf jeden Fall gab es von den anwesenden Teamleadern und Beobachtern regelmäßig Applaus für besonders gelungene Leistungen.
Am späten Abend noch ein Briefing für die Aufgabe am Donnerstag. Es geht um reine Themik-Fliegerei oder fachlich ausgedrückt um eine Wirtschaftlichkeitsaufgabe. Die doppelsutzigen ULs bekommen 14 kg Sprit, die einsitzigen 10 kg. Damit müssen sie so lange wie möglich in der Luft bleiben. Vorher muss der Tank vollständig geleert werden und nach dem Flug muss mindestens noch so viel Sprit vorhanden sein, dass das Flugzeug mit Motorkraft aus dem Landedeck zu einer Abstellfläche rollen kann.

Mittwoch, 20. August 2008

Mittwoch, 20. August, 2. Lieferung

Gestern Abend ist ein ehemaliger Wettbewerbsflieger und Teilnehmer mehrere internationaler Meisterschaften zu Besuch gekommen. Klaus Wehrmann, zuletzt vor zwei Jahren in Nördlingen mit einem Racer dabei, ist mit seiner Frau gekommen, um das deutsche Team moralisch zu unterstützen. Fachkundiger Besuch im deutschen Camp ist immer willkommen.
In der Zwischenzeit hat die Jury ein intensives Gespräch mit dem Wettbewerbsdirektor und seinem Stellvertreter geführt. Wir haben den Eindruck, dass es nun besser klappen wird. Aber man soll den Abend bekanntlich nicht vor dem Tag loben - oder so ähnlich ;-)
Jetzt gibt es noch ein Problem mit den versteckten Toren, die bei Navigationsaufgaben durchflogen werden müssen. Die Regeln sagen, dass ihrePosition genau so wie die von Wendepunkten am Boden per GPS genommen werden müssen und nicht einfach aus der Karte entnomen.("Where Flight Recorder Data is to be used for scoring, the organizer must have visited every location which could affect the scoring and got a GPS fix of that position. E.g. turnpoints, hidden gates, etc. It is not acceptable to extract positions from a map in any circumstances.") Eigentlich ganz klar, aber leider bislang bei den vorangegangenen Aufgaben nicht so praktiziert.
Der Regen ist verschwunden, der Platz ist trocken, die Wolken lockern auf. Mit anderen Worten, den Zuschauern wird wieder jede Menge Action bei den Ziellandungen am Nachmittag geboten!
Anmerkung: leider kann ich noch keine Zwischenergebnisse veröffentlichen, denn die Ergebnislisten hängen nur an der Infotafel und sie sind noch recht unvollständig. Die Ergebnisse findet man auch auf der Webseite des Veranstalters. Viktor Wyklicky hat übrigens die Wettbewerbnummer 230.

Mittwoch, 20. August

Kurz ein update für den heutigen Tag: Beim Briefing um 9 Uhr wurde noch einmal kurz die Prozedur des Benzin abfüllens erklärt. Jeder Pilot muss heute vormittag mit einem leeren und einem vollen Kanister erscheinen. Anschließend werden für die Einsitzer neun und für die Doppelsitzer 14 Kilogramm Benzin in den leeren Kanister abgewogen. Der wird dann versiegelt und für die morgige Aufgabe zur Seite gestellt. Details dazu später.
Wie vorhergesagt hat es am frühen Morgen begonnen, zu regnen. Inzwischen ist es trocken, aber es hängen noch immer tiefe dunkle Wolken über dem Flugplatz. Da der Boden sehr sandig ist, kann aber der Platz sehr schnell abtrocknen, so dass voraussichtlich um 14 Uhr erneut mit Zielandungen begonnen werden kann. Weitere Durchgänge sind notwendig, damit das erforderliche Verhältnis zwischen den einzelnen Aufgaben-Arten so gut wie möglich passt.
Es gibt immer noch Ärger mit der bisher veröffentlichten Ergebnissen. Sie erfüllen nicht die vorgeschriebenen Regeln und sind teilweise auch widersprüchlich. Die Teamleader bombardieren den Wettbewerbsdirektor derzeit mit Widersprüchen (Complaints). Die müssen in angemessener Zeit beantwortet werden, dann gibt es neue Ergebnislisten und dann erst können Proteste eingereicht werden. Aber so weit sind wir noch nicht.
Ich muss jetzt los und mir die Benzinabfüll-Prozedur ansehen, anschließend haben wir ein ernstes Gespräch mit dem Wettbewerbsdirektor.

Dienstag, 19. August 2008

Dienstag, 19. August, 2. Teil

Ab 15 Uhr ging es wieder raus auf's Flugfeld. Diesmal Ziellandungen mit ausgeschaltetem Triebwerk. Für die Laien unter den Lesern: Nach dem Start steigt der Pilot auf etwa 300 Meter Höhe, überfliegt das Flugfeld in Landerichtung und schaltet den Motor aus. Dann macht er eine normale Platzrunde und muss versuchen, im 100 Meter langen Feld so nah wie möglich am Beginn aufzusetzen und dann auch so schnell wie möglich zum Stehen zu kommen. Solche motorlosen Ziellandungen sind immer spektakulär, denn manche Flugzeuge fallen geradezu aus dem Himmel, andere schleichen sich dicht über den Boden an das Landdedeck heran, um gewissermaßen mit letzter Kraft hinter der Ziellinie 'einzuschlagen'.
Es ist schon erstaunlich, wie wenig Platz man braucht, um ein Ultraleichtflugzeug gleich welcher Bauart ohne Motorkraft zu landen.
Und wieder lautet die gute Botschaft nach diesen beiden Aufgaben: alles ist ganz geblieben.
Für Teamleader und Offizielle heißt es nun bis 21 Uhr zu warten, denn dann ist das nächste Briefing angesetzt.

Dienstag, 19. August

Heute morgen gab es ein knappes Briefing für die Aufgabe, die um 10:00 Uhr gestartet wurde. Es gilt, einen knappen Kurs von etwa 60 Kilometer zu fliegen, Bilder zu identifizieren und zusätzlich die Überflugzeit an den Wendepunkten genau vorherzusagen. Eigentlich eine einfache Aufgabe. Abschluss war, wie schon am Tag zu vor, eine Ziellandung mit laufendem Motor.
Alles hat prima geklappt und alle Flugzeuge sind sicher gelandet, manche davon entsprechend spektakulär, wei es ja auch darauf ankam, so schnell wie möglich zum Stehen zu kommen.

Nachtrag für Montag

Heute war ein langer Arbeitstag für die Jury. Das Briefing für die Aufgabe des nächsten Tages war für 21 Uhr angesetzt, aber Wettbewerbsdirektor Jacek Kibinski kam nur mit einem unvollständigen Aufgabenblatt. Außerdem entspannte sich eine hitzige Diskussion über Sinn und Unsinn bestimmter Angaben und Formulierungen. Nach einer Weile endete die Veranstaltung mit einer Auszeit.
Danach war aber immer noch nicht alles klar. Anchließlich haben sich Jury und Stewards mit Jacek Kibinski zusammengesetzt und gemeinsam an einer richtigen und vor allem klaren Formulierung gearbeitet.
Auch einige andere organisatorische Dinge laufen - um es vorsichtig auszudrücken - nicht so recht rund. Zwar wurden inzwischen die ersten Ergebnisse an die Infotafel geklebt, aber sie waren weder sinnvoll sortiert noch enthielten sie Angaben über Einspruchsfristen etc.
Es kann nur besser werden.

Montag, 18. August

Endlich, sagen die Piloten, endlich kann geflogen werden. Gegen Mittag schließlich waren alle Vorbereitungen - auch die der Organisatoren - abgeschlossen und die erste Maschine hob ab für den Rundkurs. Im Abstand von drei Minuten folgten dann die anderen Flugzeuge, so dass schließlich nach gut zweieinhalb Stunden alle Maschinen gestartet waren. Bevor der Letzte abhob, waren schon die ersten wieder zurück und sorgten bei den Beobachtern am Landedeck mit ihren gekonnten Landungen und vor allem mit ihren Bremsmanövern für große Begeisterung. Entgegen allen Befürchtungen von Nicht-Wettbewerbsfliegern gab es keinen Bruch. Lediglich bei einem Trike, dass wohl etwas zu wenig Luft in den Reifen hatte, platzte en Vorderreifen. Aber der Schaden lässt sich schnell beheben.
Carlos Trigo von der Jury, Gerhard Gerecht, einer der Stewards, und ich sind kurz nach dem ersten Start zu einem ausgelegten Zeichen gefahren, dass den Piloten eine Kursänderung signalisieren sollte. Es war an einer recht vorhersehbaren Stelle ausgelegt, allerdings direkt hinter einer Waldkante. Für Trike-Piloten mit ihrer guten Sicht nach unten kein Problem, für Dreiachser schon eher. Aber nach dem Blick auf die vorläufige Ergebnisliste zeigt sich - dies war nicht der schwierigste Teil.
Anspruchsvoll dagegen die Fotos von Bodenmerkmalen, die identifiziert werden mussten. Es handelte sich manchmal lediglich um eine Gruppe von andersfarbigen Bäumen inmitten einer Baumgruppe oder einens Waldes. Aber schließlich sind die Piloten hier, um eine Meisterschaft auszufliegen und nicht nur zum Spaß.
Sehr zum Unmut vieler Teilnehmer ließ der Veranstalter den Abend verstreichen, ohne noch eine Ziellandung mit stehendem Triebwerk anzusetzen. Das Wetter war perfekt, die Zeit hätte gereicht und vor allem: wir hätten wieder eine weitere Aufgabe abhaken können.

Sonntag, 17. August 2008

Briefing für den ersten Wettbewerbstag

Diese Europameisterschaften werden leider nur in drei Klassen ausgetragen. Für die Klasse der einsitzig geflogenen aerodynamisch gesteuerten ULs haben sich nur drei Nationen angemeldet, vier wären erforderlich gewesen. So werden die vier teilnehmenden Piloten in dieser offensichtlich aussterbenden Klasse leider keine offizielle FAI-Medaille bekommen.
Am Abend um 20 Uhr wurde verkündet, dass morgen eine Navigationsaufgabe geflogen werden muss. Es komm darauf an, einige Wendepunkte anzufliegen und dabei natürlich so genau wie möglich den Kurs zu halten, denn entlang der Strecke müssen wieder besondere Merkmale an Hand von Fotos identifiziert werden. Insgesamt wird dei Strecke etwa 150 km lang sein. Keine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Abgeschlossen wird der Flug dann mit einer Ziellandung, bei der in diesem Fall allerdings der Motor nicht abgeschaltet werden muss.
Es gab ein wenig Unmut, weil die letzten Informationen zu dieser Aufgabe erst morgen um 9 Uhr gegeben werden und damit ein früher Start ausgeschlossen ist. Keine gute Idee, denn solange das Wetter stabil ist, sollte man es zum Fliegen nutzen.
Zwei Flugzeuge aus dem tschechischen Team müssen noch einmal auf die Waage. Sie haben mit der Besatzung zusammen 465,3 bzw. 492,8 Kilogramm gewogen, deutlich mehr als die erlaubten 450 kg (plus Gewicht des Rettungssystems). Nach dem Nachwiegen am folgenden Morgen stellte sich heraus: ein einem Fall war das Gewicht des Rettungssystems nicht abgerechnet worden, im anderen Fall war ein Wert an der Waage falsch abgelesen worden. Also keine weitere Aufregung.

Die Sonne scheint

Als wäre nichts gewesen, scheint seit 12 Uhr die Sonne. Kleine weiße Wölkchen aber ein strammer Wind zerrt an den geparkten Flugzeugen. Hoffentlich trocknet er auch schnell den Grasplatz.

Beim Briefing um 11 Uhr wurde verkündet, dass es heute keine Aufgabe geflogen wird, dafür aber alle Flugzeuge und ihre Besatzungen auf die Waage müssen. Schließlich sagen die Regeln, dass Flugzeug, Besatzung und Treibstoff nicht mehr als 350 Kilgramm für Einsitzer und 450 Kilogramm für Doppelsitzer ausmachen dürfen. Und siehe da, allen Unkenrufen deutscher UL-Flieger in der Heimat zum Trotz: es passt.
Alle Flugzeuge - auch die moderneren Geräte aus Vollkunststoff aus tschechischer, polnischer oder (aus Metall) aus russischer Produktion haben keine Probleme. Selbst eine FK 9, die solo geflogen werden soll, passt locker in diese Klasse. Die Norweger, die mit einem schweren Apollo-Trike angereist sind, sollten vielleicht das eine oder andere Zubehörteil ausbauen, damit sie noch etwas Sprit mitnehmen können, ohne die Gewichtsgrenze zu überschreiten.
Solche Wiegaktionen sind immer ein großes Vergnügen für die Teilnehmer und entsprechns groß war der Andrang vor der Flugzeughalle, in der die elektronischen Waagen aufgebaut waren.

Alle hoffen nun, dass morgen endlich geflogen werden kann. Das ist auch deshalb wichtig, weil für die Gültigkeit dieser Europameisterschaft mindestens sechs verschiedene Aufgaben geflogen werden müssen. Morgen, so sieht es der Plan vor, soll dann endlich mit den Ziellandungen begonnen werden.
Hier eine Beschreibung für die Nicht-Experten unter den Lesern dieses Blogs:
Der Pilot muss in einem 100 Meter langen Feld losrollen und abheben. Anschließen überfliegt er das Landefeld in einer beliebigen Höhe, schaltet den Motor ab und muss so knapp wie möglich am Beginn des ebenfalls 100 Meter langen Landefeldes aufsetzen. Dass allein ist schon eine Kunst. Einen Bonus gibt es, wenn er nach dem Aufsetzen so schnell wie möglich zum Stehen kommt (auf jeden Fall innerhalb des 100-Meter-Feldes). Diese Aufgabe ist immer ein großes Spektakel, weil es bei ersten Teil auf die Fähigkeit des Piloten ankommt, beim zweiten dagegen auf die Qualität der Bremsen. Spektakläre Szenen sind programmiert. Dazu aber mehr, wenn es soweit ist.

Abwarten

Heute Nacht hat es wieder sauber durchgeregnet, aber am Morgen haben sich die Wolken deutlich nach oben bewegt und es ist trocken. Allerdings dürfte der Boden nach diesem Dauerregen noch ziemlich aufgeweicht sein. Ein für heute geplanter Ziellandewettbewerb, bei dem es auch darauf ankommt, so schnell wie möglich zum Stehen zu kommen, dürfte zu einer Rutschpartie geraten. Aber noch ist nichts entschieden, das Briefing wurde gerade von 9 Uhr auf 11 Uhr verschoben.
Für die Interessierten hier ein kleiner Überblick über das Teilnehmerfeld(in Klammern die Zahl der Crews):
Slowakei (2),
Russland (3),
Tschechien (13),
Deutschland (1),
Frankreich (4),
Israel (1),
Spanien (3),
Großbritannien (8),
Litauen (4),
Ukraine (2),
Polen (11),
Ungarn (3).

Samstag, 16. August 2008

Regen

Seit der Eröffnungsfeier mit einer angedeuteten Regenpause kommt das Wasser ohne Unterlass von oben. Das hat es in der Geschichte der Europa- und Weltmeisterschaften so noch nicht gegeben. Es ist ein trauriges Bild mit all den triefenden ULs auf dem Flugplatz.
Aber die Organisatoren strahlen Optimismus aus und haben am Mittag im Briefing schon mal die für heute geplanten, aber definitiv auf morgen verschobene Aufgabe erläutert: Ziellandung mit stehendem Triebwerk. Obwohl es sich gewissrmaßen um den Klassiker unter den Wettbewerbsaufgaben handelt, wurden wieder jede Menge Fragen nach die wie und wo gestellt. Es ist also wie immer.
Teamchef Roland Schneider, Gisela und ich haben uns vorgenommen, ein wenig die Umgebung zu erkunden. In einer Broschüre war von touristischen Bauernhöfen die Rede, auf denen man das Landleben kennenlernen und Produkte des Landwirts probieren kann. Selbst mit Hilfe von TomTom ist es uns nicht gelungen, einen dieser Bauernhöfe zu finden. Schließlich haben wir einen Polizisten gefragt, der in einem Dorf in seinem Dienstwagen am Straßenrand saß. Er verstand zwar kein Wort deutsch oder englisch, aber er gab uns zu verstehen, dass wir ihm folgen sollten. Nach einigen Umwegen landeten brachte er uns tatsächlich zu der angegebenen Adresse. Aber es war niemand zu Hause und außerdem sah es nicht so aus, wie wir uns das vorgestellt hatten.
Den nächsten Versuch haben wir selbst unternommen und sind tatschlich auf einem Reiterhof gelandet. Zu essen gab es dort nichts.
Schließlich sind wir in einen anderen Ort an einem der größeren Seen gefahren und haben dort preiswert zu Mittag gegessen (am späten Nachmittag). Das größte Vergügen auf der Rundfahrt waren die tiefen und großen Pfützen auf den Straßen. Gut, dass keine Fußgänger unterwegs waren.....

Sonnabend, 16. August


Wie vorhergesagt beginnt der Tag mit ausgesprochen schlechtem Wetter. Man kann kaum die Bäume am anderen Ende des Flugplatzes erkennen, die Wolkenuntergrenze mag bei 250 Fuß liegen und es regnet Bindfäden. Gelegentlich wechselt es mal zu sehr feinem Nieselregen. Das perfekte Wetter für eine Eröffnungsveranstaltung ;-)
Trotzdem stehen die beiden großen Busse pünktlich bereit, um Teilnehmer, offizielle und Helfer in das drei Kilometer entwente Stadtzentrum zu bringen. Schnell werden noch Regenjacken an die jungen Helfer verteilt, die mit den Namensschildern der Nationen voranmaschieren sollen. Wie bei diesem Wetter eine Veranstaltung unter freiem Himmel mit Blaskapelle und allem zick und zack stattfinden soll, ist mir schleierhaft. Kurz bevor die Busse losfahren, kommt dann die Nachricht: die Feier findet im Saal statt. Wir werden zum Kulturhaus gebracht, wo die Organisatoren blitzschnell Mikrofone undLautsprecher aufgebaut und die polnische Flagge aufgehängt haben. Mit nur wenigen Minuten Verspätung beginnt der offizielle Teil. Alles erfreulich kurz und nach 30 Minuten ist alles vorbei.

Inzwischen steht auch fest: wir haben Teilnehmer aus 13 Nationen mit insgesamt 56 Ultraleichtflugzeugen. Außer Deutschland sind auch Israel und Norwegen nur mit jeweils einem Team vertreten. Roland Schneider, zusammen mit Udo Wyklicky Teamchef, trägt die Fahne bei der Eröffnung (Foto rechts). Zu unserem Deutschen Teilnehmer und seinem Team später mehr. Das größte Team stellen die Tschechen mit 13 Flugzeugen, gefolgt von den Polen mit 11 Crews und den Engländern mit 8 Maschinen.

Freitag, 15. August 2008

Testaufgabe

Gestern wehte zwar ein strammer Wind, aber die Bedingungen waren günstig, um die schon anwesenden Piloten und das Bodenpersonal des Veranstalters zu testen. Deshal konnte/durfte eine Testaufgabe geflogen werden. In 3-Minuten-Abstand starteten die Maschinen zu einem Navigationsflug über ca. 80 Kilometer. Sie mussten vorher angeben, wann sie die drei Zeittore entlang der Strecke überfliegen werden, sie mussten neun Fotos von besonderen Bodenmerkmalen im Flug identifizieren und dann in einer Karte so genau wie möglich eintragen. Und zu guter Letzt sollten sie noch so genau wie möglich zur vollen Minute im 100 Meter langen Landefeld aufsetzen und zum Stehen kommen.

Heute zeitweise kräftiger Regen und große Ruhe auf dem Flugfeld. Hin und wieder testet jemand seinen Motor und trotz des Regens waren auch vereinzelt Trikes in der Luft.

Heute Abend findet dann für alle Teilnehmer das allgemeine Briefing statt. Jacek Kibinski(Foto) ist der Wettbewerbsdirektor und damit verantwortlich für den gesamten sportlichen Teil

Die drei Mitglieder der Jury, Joel Amiable(Frankreich), Carlos Trigo(Portugal) und ich waren etliche Stunden unterwegs, um die Position der Wendepunkte zu überprüfen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass auch hierbei Kontrolle viel besser ist, als auf die Daten des Veranstalters zu vertrauen. Fehler, die jetzt entdeckt werden, machen uns später keine Probleme bei der Auswertung. Einer der Wendepunkte ist eine Fähre (Foto), die nordwestliche des Platzes über die Oder führt.

Am Abend dann das erste große Briefing für alleTeilnehmer. Es war erstaunlich kurz, es gab kaum Fragen und alle zogen zufrieden wieder ab. Hauptsächlich ging es um die Eröffnungszeremonie, die am Sonnabend auf dem Marktplatz vor dem Rathaus stattfinden soll. Alles ist auf die Minute genau geplant. Mal sehen, ob es auch so ablaufen wird. Bei dem allgemeinen Briefing lernen wir auch all die wichtigen verantwortlichen Leute kennen:Ryszard Anddryszczak, Leiter der Segelflugschule in Leszno, Jacek kibinski, Wettbewerbsdirektor und Pavel ???, der Deputy Director(von links).

Über die Meisterschaft

Alle zwei Jahre treffen sich die besten Ultraleichtflieger aus verschiedenen europäischen Ländern zu einer Meisterschaft. Vor zwei Jahren war Nördlingen in Deutschland der Austragungsort, in diesem Jahr ist es Leszno in Polen. Die Stadt liegt südlich von Posznan(Posen) und der gastgebende Flugplatz ist eines der wichtigsten Segelflugzentren des Landes. Wie im Osten üblich, ist er riesengroß und praktisch in jeder Windrichtung nutzbar. Mehrere große Hallen beherbergen Motor- und Segelflugzeuge. Außerdem gehört zu dem Komplex ein Hotel mit der erforderlichen infrasturktur - und einem recht flotten Internetzugang.
Ich bin hier als Mitglied der internationalen Jury, die in Streitfällen ein Urteil zu fällen hat. Normalerweise fällt die Arbeit erst in den letzten Tagen an, denn dann liegen mehrere Einzel-Ergebnisse vor und es wird für den einen oder anderen Piloten sehr wichtig, auch noch den letzten Punkt herauszuholen.
Inzwischen sind nahezu alle Piloten und Teams eingetroffen. Ein leines buntes Zeltlager ist die Basis für die Teilnehmer. Dort finden sie Schlaf, Instruktionen, Essen und sicherlich auch ein paar tröstende Worte, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist.
Die Bundesrepublikanische Flagge weht am Flugplatzrand, denn auch Deutschland ist vertreten. Leider nur mit einem Piloten, denn wegen des nachlassenden Interesses an der Wettbewerbsfliegerei hat es schon länger keine nationalen Ausscheidungen gegeben und außer Viktor Wyklicky aus München hat sich keiner der übrigen erfahrenen deutschen Piloten für diese Meisterschaft interessiert.
Natürlich ist diese Meisterschaft auch mit einer Webseite im Internet vertreten.

Querverweis

Kurz bevor hier in Lesno die Meisterschaften der UL-Flieger losgehen, hat in Lomza/Polen die Europameisterschaft der Motorschirmpiloten stattgefunden. Dabei gab es eine Goldmedaille für Gunar Barthel und seinen Copiloten. Fotos von der Motorschirm-Meisterschaft gibt es hier.

Donnerstag, 14. August 2008

Willkommen

Hallo,
an dieser Stelle gibt es Berichte von der und über die Europameisterschaft der Ultraleichtflieger, die gegenwärtig in Leszno/Polen stattfinden. Im Moment befindet sich dieser Blog noch im Aufbau, aber schon in den nächsten Tagen werde ich fortlaufend berichten, was sich rund um den Wettbewerb tut.